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Des kleinen Hirten Glücktraum

Märchen von Ludwig Bechstein, Seite 1 ( von 3 )

Es war einmal ein sehr armer Bauersmann, der lebte in einem Dörflein von dem geringen Verdienst eines Hirten, und das schon seit vielen Jahren. Seine Familie war klein, er hatte ein Weib, und nur ein einziges Kind, einen Knaben. Doch diesen hatte er sehr frühzeitig mit hinaus auf die Weide genommen und ihm die Pflichten eines treuen Hirten eingeprägt, und so konnte er, als nur einigermaßen der Knabe herangewachsen war, sich ganz auf denselben verlassen, konnte ihm die Herde ganz allein anvertrauen und konnte unterdessen daheim noch einige Dreier mit Körbeflechten verdienen. Der kleine Hirte trieb seine Herde munter hinaus auf die Triften und Reine; er pfiff oder sang ein helles Liedlein, und ließ dazwischen gar laut seine Hirtenpeitsche knallen; dabei wurde ihm keine Zeit lang. Des Mittags lagerte er sich gemächlich neben seine Herde, aß sein Brot, und trank aus der Quelle dazu, und dann schlief er wohl auch ein Weilchen, bis es Zeit war weiter zu treiben. Eines Tages hatte sich der kleine hirte unter einen schattigen Baum zur Mittagsruhe gelagert, schlief ein und träumte einen gar wunderlichen Traum: Er reise fort, gar unendlich weit fort, - ein lautes Klingen, wie wenn unaufhörlich eine Masse Münzen zu Boden fielen - ein Donnern, wie wenn unaufhörliche Schüsse knallten - eine endlose Schar Soldaten, mit Waffen und in blitzenden Rüstungen - das alles umkreiste, umschwirrte, umtosete ihn. Dabei wanderte er immer zu und stieg immer bergan, bis er endlich oben auf der Höhe war, wo ein Thron aufgebaut war, darauf er sich setzte, und neben ihm war noch ein Platz, auf dem ein schönes Weib, welches plötzlich erschien, sich niederließ. Nun richtete sich im Traum der kleine Hirte empor, und sprach ganz ernst und feierlich: "Ich bin König von Spanien." Aber in dem selben Augenblick wachte er auf. Nachdenklich über seinen sonderbaren Traum trieb der Kleine seine Herde weiter, und des Abends erzählte er daheim bei seinen Eltern, die vor der Türe saßen und Weiden schnitzten, und wo er ihnen auch half, - seinen wunderlichen Traum, und sprach zum Schluss: "Wahrlich, wenn mich noch einmal so träumt, gehe ich fort nach Spanien, und will doch einmal sehen, ob ich nicht König werde!" - "Dummer Junge" murmelte der alte Vater, "Dich macht man zum König, lass Dich nicht auslachen!" Und seine Mutter kicherte weidlich, und klatschte in die Hände, und wiederholte ganz verwundert: "König von Spanien! König von Spanien!" Am andern Tag zu Mittag lag der kleine Hirte zeitig unter jenem Baume, und o Wunder! derselbe Traum umfing wieder seine Sinne. Kaum hielt es ihn bis zum Abend auf der Hut, er wäre gern nach Hause gelaufen, und wäre aufgebrochen zur Reise nach Spanien. Als er endlich heim trieb, verkündigte er seinen abermaligen Traum, und sprach: "Wenn mich aber nun noch einmal so träumt, so gehe ich auf der Stelle fort, gleich auf der Stelle." Am dritten Tag lagerte er sich dann wieder unter jenem Baum, und ganz derselbe Traum kam zum dritten Male wieder. Der Knabe richtete sich im Traum empor und sprach: "Ich bin König von Spanien", und darüber erwachte er wieder, raffte auch sogleich Hut und Peitsche und Brotsäcklein von dem Lager auf, trieb die Herde zusammen und geradem Wegs nach dem Dorfe zu. Da fingen die Leute an mit ihm zu zanken, dass er sobald und solange vor der Vesperzeit eintreibe, aber der Knabe war so begeistert, dass er nicht auf das Schelten der Nachbarn und der eignen Eltern hörte, sondern seine wenigen Kleidungsstücke, die er des Sonntags trug, in einen Bündel schnürte, denselben an ein Nussholzstöckchen hing, über die Achsel nahm und so mir nichts fortwanderte. Gar flüchtig war der Knabe auf den Beinen; er lief so rasch, als sollte er noch vor Nachts in Spanien eintreffen. doch erreichte er nur an diesem Tage einen Wald, nirgends war ein Dörflein oder ein einzelnes Häuslein; und er beschloss, in diesem Wald in einem dichten Busch sein Nachtlager zu suchen.





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