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Die drei Gaben
Märchen von Ludwig Bechstein, Seite 1 ( von 1 )
Es war einmal ein armer Leinweber, zu dem kamen drei reiche Studenten, und da
sie sahen, dass der Mann sehr arm war, so schenkten sie ihm in seiner
Wirtschaft hundert Taler. Der Leinweber freute sich sehr über diese Gabe,
gedachte sie gut anzuwenden, wollte aber noch eine Zeitlang seine Augen an den
blanken Talern weiden, sagte daher seiner Frau, die nicht zu Hause gewesen war,
nichts von seinem Glück, und versteckte das Geld dahin, wo Niemand Geld
sucht, nämlich in die Lumpen.
Als er einmal auswärts war, kam ein Lumpensammler, und die Frau verkaufte
ihm den ganzen Vorrat für einige Kreuzer. Da war groß Herzeleid, wie
der Leinweber heim kam, und seine Frau ihm erfreut das für die Lumpen
gelöste wenige Geld zeigte.
Über ein Jahr so kamen die drei Studenten wieder, hofften den Leinweber
nun in guten Umständen zu treffen, fanden ihn aber noch ärmer, wie
zuvor, da er ihnen sein Missgeschick klagte. Mit der Ermahnung vorsichtiger zu
sein, schenkten ihm die Studenten abermals hundert Taler; nun wollte er's recht
klug machen, sagte seiner Frau nichts uns steckte das Geld in den Aschentopf.
Und da ging's gerade wieder so, wie das vorige Mal; die Frau vertauschte die
Asche an einen Aschensammler gegen ein paar Stückchen Seife, als gerade
ihr Mann wieder abwesend war, irgend einem Kunden bestellte Leinwand
abzuliefern. Als er wieder kam, und den Aschenhandel erfuhr, wurde er so
böse, dass er seine Frau mit ungebrannter Asche laugte.
Über ein Jahr kamen die Studenten zum dritten Male, fanden den Leinweber
fast als Lumpen, und sagten ihm, indem sie ihm ein Stück Blei vor die
Füße warfen: "Was nutzt der Kuh Muskat? Dir Tropf Geld zu
schenken, wäre dümmer als du selbst bist. Zu Dir kommen wir auch
nicht wieder." Damit gingen sie ganz ärgerlich fort, und der
Leinweber hob das Stück Blei vom Boden auf und legte es aufs Fensterbrett.
Bald darauf kam sein Nachbar herein, das war ein Fischer, bot guten Tag und
sprach: "Lieber Nachbar, habt Ihr nicht etwa ein Stückchen Blei, oder
sonst was schweres, das ich für mein Netz gebrauchen könnte? Ich habe
nichts mehr dergleichen." Da gab ihm der Leinweber das Stückchen
Blei, und der Nachbar bedankte sich gar schön und sagte: "Den ersten
großen Fisch, den ich fange, den sollt Ihr zum Lohne haben!" -
"Schon gut, es ist nicht darum," sprach der zufriedene Leinweber.
Bald darauf brachte der Nachbar wirklich einen hübschen Fisch von ein
Pfunder vier bis fünfe, und der Leinweber musste ihn annehmen. Dieser
schlachtete alsbald den Fisch, da hatte derselbe einen großen Stein im
Magen. Den Stein legte der Leinweber auch auf das Fensterbrett. Abends, als es
dunkel wurde, fing der Stein an zu glänzen, und je dunkler es wurde, je
heller leuchtete der Stein, wie ein Licht. "Das ist eine wohlfeine
Lampe," sagte der Leinweber zu seiner Frau. "Willst du sie nicht etwa
auch vermöblieren, wie du die zweihundert Taler vermöbliert
hast?" Und legte den Stein so, dass er die ganze Stube erhellte.
Am folgenden Abend ritt ein Herr am Hause vorbei, erblickte den Glanzstein,
stieg ab und trat in die Stube, besah den Stein, und bot zehn Taler dafür.
Der Weber sagte: "Dieser Stein ist mir nicht feil!" - "Auch
nicht für zwanzig Taler?" sagte der Herr. "Auch nicht,"
antwortete der Leinweber. Jener aber fuhr fort zu bieten und zu bieten, bis er
tausend Taler bot, denn der Stein war ein kostbarer Diamant, und noch viel mehr
wert. Jetzt schlug der Weber ein, und war der reichste Mann im Dorfe. Nun hatte
die Frau das letzte Wort, und sagte: Siehst Du, Mann! Wenn ich das Geld nicht
zweimal mit fortgegeben hätte! Das hast Du doch nur mir zu danken!" -
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